„Ihr seid die Speerspitze des Streuobstbaus!“ Wir, die Klasse 6a des Schickhardt - Gymnasiums Herrenberg hatte an einem Jugendwettbewerb teilgenommen. Nun standen wir in der großen Scheuer des Bauernhausmuseums Wolfegg. Liebevoll in Wägen und Karren, Säcken und Körben arrangiert, verströmten die alten Apfelsorten köstlichen Duft . Es wäre schon eine Belohnung gewesen, die 200 Sorten kennen zu lernen, etwa in den Oberländer Himbeerapfel zu beißen – aber es stand eine Preisverleihung an. Den ersten Preis des Landeswettbewerbs – „Mein Freund – der Baum – Ich tu was“ hatten wir gewonnen! 21 Beiträge waren von unterschiedlichen Schulen und Naturschutzgruppen eingereicht worden. Sie hatten sich so wie wir um eine Obstbaumwiese gekümmert und aktiv an der Baumpflege gearbeitet.
Wir haben im Schuljahr 2010/2011 als Klasse 5a das Obstbaumwiesen- Projekt übernommen. Mit unserer Zusammenarbeit klappte es ganz gut. Einige Eltern und sogar ein Großvater haben geholfen bei der Ernte und als wir Nistkästen für die Wiese bauten. Wir haben das besondere Glück, dass Familie Kegreiß schon seit 1994 unserer Schule diese Wiese zur Verfügung stellt und wir sicher sind, dass unsere Familien bei der Ernte gesunde Früchte und guten Saft bekommen und der Erlös in unsere Klassenkasse fließt. Es machte uns großen Spaß, die Vögel, Insekten und Kleintiere zu erforschen, die in unserem schönen Herrenberger Streuobstwiesengelände leben und sie darzustellen. Wir haben auch gemalt, wie wir im Herbst geerntet haben und unsere Arbeit im Frühjahr dokumentiert: den Nistkastenbau, Schneiden, Neupflanzen – aber auch Versuche, die rund um den Apfel angestellt wurden. Dabei profitierten wir von der jahrelangen Erfahrung, die unsere Naturkunde – Lehrerin, Frau Oswald schon seit 1994 mit dem Streuobstprojekt hat. Unser Werk, ein großes Leporello, wurde so lang, dass es von mehr als 10 Schülern gehalten werden musste.
Als wir am letzten Schultag erfuhren, dass wir den ersten Preis gewonnen haben, war der Jubel natürlich sehr groß, obwohl wir kaum glauben konnten, dass wir wirklich 600 Euro bekommen würden für etwas, das so viel Spaß gemacht hatte. Aber als wir in diesem Raum voller Apfelduft vorne standen und Herr Dr. Konrad Rühl jedem von uns eine persönliche Urkunde gab mit Handschlag und Blick in die Augen und uns so zu „Juniorpomologen“ ernannte, da waren einige von uns wohl doch schon ganz schön stolz.Immerhin war er als Referatsleiter im Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz den weiten Weg angereist, um diese Siegerehrung vorzunehmen. Er erklärte, dass wir in Baden-Württemberg den größten Streuobstwiesenbestand mit 9,3 Millionen Bäumen auf ca. 120 000 ha Fläche haben. Dieser kostbare Besitz ist aber aus unterschiedlichen Gründen in Gefahr – er sprach von einem „Pflegedefizit“, sodass man viele Bäume verliert, obwohl Naturschutzverbände und Obst- und Gartenbauvereine schon sehr viel tun. Wahrscheinlich nannte er uns die „Speerspitze des Streuobstbaus“, weil wir unsere Chance ergriffen haben, das Wissen unserer Lehrerinnen und Lehrer nützten und uns auch mal verbessern ließen. Wir lernten auch einen Apfel - Wissenschaftler kennen, den Pomologen Dr. Mayr vom Kompetenzzentrum Obstbau – Bodensee in Bavendorf, von der die 200 ausgestellten Apfelsorten herkamen und wo viel für den Erhalt der Sorten und die Züchtung neuer widerstandsfähiger Sorten getan wird.
Schließlich durften wir uns noch im Bauernhof – Museum umsehen und machten eine aufregende Zeitreise: wir bearbeiteten Flachs, erkundeten die Tierhaltung und erfuhren, wie viel besser wir es haben im Vergleich mit den Bauernkindern sogar noch vor 50 Jahren.
(Aus Beiträgen der Klasse 6A zusammengestellt von A. Körbl und R. Oswald, Bilder folgen)
Die Apfelausstellung im Bauernhausmuseum Wolfegg ist noch bis 30.10.2011 geöffnet.








