1989 – dieses für Deutschland und Europa so entscheidende Jahr sollte inhaltliches Motto werden für einen neuen Schüleraustausch, der im Mai 2011 zwischen den beiden Schulleitern Hans-Joachim Drocur (SGH) und Gábor Horváth (Kossuth Lajos Gimnazium Budapest) vereinbart wurde.
Als Ergänzung zum Schwedenaustausch, bei dem naturwissenschaftliche Themen im Vordergrund stehen, geht es bei dieser Begegnung hauptsächlich um europäische Schwerpunkte.

Als Mitte Oktober 2011 die 17 jungen Ungarn und ihre beiden Begleitlehrerinnen vom Schulleiter des SGH in Herrenberg begrüßt wurden, war es für die meisten von ihnen die erste Reise nach Deutschland. Und da fast alle über außergewöhnlich gute Deutschkenntnisse verfügen, konnte es mit dem Kennenlernen gleich losgehen: zuerst die Gastfamilie und die Austauschpartner, dann die Schule, die Stadt Herrenberg und die Region Stuttgart mit dem Besuch des Daimlermuseums.
Anschließend ging es dann um das Jahr 1989, die Ereignisse in der damaligen DDR und die Weitsicht der Ungarn, die den „Reisedrang“ vieler DDR-Bürger nicht gewaltsam stoppten. In mehreren Projekten näherten sich die deutschen und ungarischen Schüler diesem entscheidenden Kapitel der jüngsten europäischen Geschichte. Die ehemalige Bürgerrechtlerin Freya Klier rundete mit ihrem eindrucksvollen Bericht über das Leben in der damaligen DDR das Projekt ab.
Das Wochenende in Herrenberg und Umgebung gestalteten die Gastfamilien mit ihren Besuchern und anschließend ging es dann weiter mit dem Thema Europa. Am Fort Schoenenburg an der Maginotlinie konnten die Jugendlichen beider Länder nachvollziehen, wie groß der Hass und die Angst zwischen Deutschen und Franzosen vor nicht allzu langer Zeit war. Dass diese Erbfeindschaft überwunden werden konnte, war ein Meilenstein auf dem Weg zur Europäischen Einigung. Der Besuch des Europaparlaments in Strasbourg führte dann vor Augen, wie weit dieser Prozess inzwischen fortgeschritten ist.
Ein weiterer Besuch in Stuttgart, gemeinsames Brezelbacken und ein abschließendes schwäbisches Nachtessen mit allen Beteiligten am letzten Abend rundeten das Programm ab. Nach einer Woche hieß es dann Abschied nehmen bis zum Wiedersehen im Mai 2012, wenn die Schülerinnen und Schüler des SGH zum Gegenbesuch nach Budapest aufbrechen. Aber eines steht schon heute fest: Die Idee dieser Begegnungsmaßnahme hat überzeugt und es bleibt zu hoffen, dass noch viele folgen werden, denn: an der „Baustelle Europa“ ist noch viel zu tun!

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